Buch des Monats

Habe mich dazu entschieden, an dieser Stelle jeweils einmal im Monat  mein schönstes, bestes, spannenstes, interessantestes, schockierendstes Buch vorzustellen. Auch wenn Bücher im Internetzeitalter altmodisch erscheinen, finde ich doch, dass sie eine große Bedeutung haben und auch in Zukunft haben werden.

In diesem Monat ist mein eindeutiger Favourit:

„Tender Bar“ von J.R. Moehringer

J.R. Moehringer, Tender Bar

Es erzählt die Geschichte eines Jungen und später eines jungen Mannes, der versucht sich im Leben zurechtzufinden. Eine zentrale Rolle bei seiner Selbstfindung und dem Verstehen der Welt (oder dem Versuch die Welt zu verstehen) spielt eine Bar mit den darin befindlichen Personen.

Dabei ist jeder Satz so wunderbar formuliert, so detailreich und einfühlsam wird von den Eindrücken, Gefühlen und dem Grund für sein Handeln geschrieben, dass man dem teilweise seltsam anmutenden Handlungsstrang vollkommen zustimmt. Ich kann das Buch an einer beliebigen Stelle aufschlagen, und anfangen zu lesen, man ist sofort gefesselt, von der Sprache und der Aussagekraft des Buches, ohne den inhaltlichen Zusammenhang zu kennen. Hier eine spontan aufgeschlagene Textstelle:

„Dein Bestes ist, was du bequem schaffst, ohne dass du zusammenbrichst.“

Aber sie verstand mich nicht. Bei meinem Schwarzweißbild von der Welt reichte es nicht, wenn ich mein Bestes gab. Ich musste perfekt sein. Um für meine Mutter zu sorgen und sie ans College zu schicken, musste ich sämtliche Fehler eliminieren. Durch Fehler war unsere Zwangslage überhaupt erst entstanden – Oma hatte Opa geheiratet, Opa hatte meiner Mutter das Studium verweigert, meine Mutter hatte meinen Vater geheiratet – und wir mussten weiter für sie zahlen. Ich musste diese Fehler korrigieren, indem ich neue vermied und perfekte Noten erzielte, dann ein perfektes College besuchte, danach Jura studieren und am Ende meinen unperfekten Vater verklagen konnte. Aber wie sollte ich perfekt sein, wenn die Schule immer schwerer wurde, und wenn ich nicht perfekt war, wären Mutter und Oma enttäuscht von mir und ich wäre nicht besser als mein Vater und dann würde meine Mutter wieder singen und weinen und auf ihren Taschenrechner einhacken – solche Gedanken schwirrten mir auf dem Spielplatz durch den Kopf, wenn ich anderen Kindern beim Tetherball Spielen zuschaute“

oder:

„Jedes Gedicht, obwohl bereits vor fast dreitausend Jahren geschrieben, sei genauso frisch und bedeutend wie eine Geschichte in der New York Times. „Warum?“, fragte er. „Weil jedes ein zeitloses Thema anpackt – die Sehnsucht nach einem Zuhause.“ Ich schrieb in mein Notizbuch: „Anpacken – gutes Wort.“ Als ich sah, dass meine Schrift nicht besonders schön war, strich ich es durch und schrieb es noch einmal ordentlicher.“

(aus: „Tender Bar“, J.R. Moehringer)

Ok, das waren jetzt zwei Textstellen. Aber sie spiegeln doch beide die Genialität des Buches (oder des Autors ;)) wieder. =)

PS: Meine Ausgabe ist eine Sonderausgabe in einem Format ähnlich einem Notizbuch (siehe auch obiges Foto), passt in jede Handtasche und sieht auch noch gut aus. Frage mich jetzt, ob es noch mehr Bücher in diesem Sonderausgabenformat gibt (die müssen ja dann schon gut sein, wenn sie so ein Format haben 😉 ).

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Ein Kommentar zu “Buch des Monats

  1. Das Buch hört sich wirklich gut an! Ich glaube, dass darfst du mir auch mal für meine Unitasche ausleihen 🙂

    Eigentlich bin ich noch drei andere Bücher am lesen und das vierte liegt hier schon bereit! mh aber das „liest“ sich so gut an, das wird dann vorgezogen 🙂

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